Verlegerische Notgemeinschaft in OWL

Vielsagend: Nicht ein Redakteur auf dem Bild. Sind wahrscheinlich nicht mehr so wichtig.

Kaufleute gründen eine Redaktion

Interessanter Vorgang. Finde den Fehler.

Bei Aussagen wie »bedeutender Schritt zur Sicherung des Medienstandorts Ostwestfalen-Lippe vor dem Hintergrund zunehmender Konzentrationstendenzen in der Medienlandschaft« (Schrotthofer) sollte man zwischen den Zeilen lesen. Darüber wird im Detail noch zu reden sein. Ganz sicher. 1)Note to self: Die Tage mal die frischen IVW-Zahlen checken…

Bislang waren Lippische Landes-Zeitung und Haller Kreisblatt im Rahmen langjährig bestehender Verträge von der NW-Redaktion mit Mantelseiten für die gedruckten Ausgaben beliefert worden. Was es konkret bedeutet, dass die alte Bielefelder NW-Zentralredaktion in dem »neuen Unternehmen aufgeht« und unter welchen Bedingungen (allgemein und individuell) und mit welcher Mann-Stärke das geschehen soll, wird sich wohl bald zeigen.

So wie es da steht, heißt es aber auf jeden Fall: Die Neue Westfälische als solche hat keine eigene Mantelredaktion mehr. Oops.

Eine irgendwie geartete Schärfung des journalistischen Profils ist offenbar nicht zu erwarten, da der die NW-Mantelredaktion seit zehn Jahren verwaltende Thomas Seim weiterhin das Sagen haben soll – mutmaßlich mit Unterstützung seiner willigen bisherigen Helferlein Carsten Heil und Jörg Rinne. Immerhin rückt scheinbar wenigstens nicht einer seiner Bootlickers in der Hierarchie auf, wie es nach dem in Bielefeld in Reinform praktizierten Peter-Prinzip eigentlich zu erwarten wäre.

Die verschwurbelte Einlassung von Juniorpartner und LZ-Verleger Giesdorf hinsichtlich der »regelmäßigen Überwachung« durch einen »eigens geschaffenen Herausgeberrat« liest sich eher so, als freue er sich darauf, endlich mehr Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen des »Mantels« nehmen zu können. 2)Die Bielefelder NW ist über ihre Beteiligungsgesellschaft DDVG zu 100 % in SPD-Besitz Hat er ja immer schon mit gehadert – um es mal lippisch zu formulieren.

Was die Konzentration für die Mindener konkret bedeutet, geht aus der Mitteilung nicht wirklich hervor. Zieht man aber dieses Interview mit dem MT-Chefredakteur Piel hinzu, entsteht eine vage Ahnung, wo die Reise hingeht.

 

Das MT schwurbelt etwas weniger und redet in der Zeile Klartext.

Nach meiner Meinung ist diese Schaffung einer »OWL-Mantelredaktion« das Ende dessen, was mal 1890 als Freie Presse in Bielefeld begann. Was hier ein paar Pfeffersäcke als Fortschritt für die Zeitungslandschaft verkaufen wollen, ist in Wahrheit in trauriger Rückschritt.

Ich habe auch das dumme Gefühl, dass dies noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Ich hätte ja gerne eingearbeitet, was der Deutsche Journalistenverband OWL dazu zu sagen hätte,3)Falls er was dazu zu sagen hätte… aber leider… 4)Inzwischen funktioniert die Seite technisch wieder, aber eine Einlassung zu den aktuellen Entwicklungen sucht man dort vergebens.

Bei der DJU OWL, einer Ver.di-Organisation, denkt sich auch niemand was dabei. Da stammt der letzte Beitrag von November 2018.5)Kurz nach diesem Blog-Beitrag gab es dann doch noch eine Reaktion der Verdi-Gewerkschaft.

Alles in allem irgendwie kein Wunder, dass die Verleger leichtes Spiel haben.

Wann immer die Verleger-Altherrentruppe (NW, MT, LZ) von oben – oder ein Teil davon – sich anschickt, dem Journalismus neuen Schwung zu verleihen, ist man gut beraten, hellhörig bzw. misstrauisch zu werden und sich auf das Schlimmste einzustellen. Etwa 2016, als das sogenannte Reichweitenportal tag24.de – eigentlich eher ein Wichsvorlagen-Portal und journalistisches Grusel-Kabinett – ins Leben gerufen wurde. Dazu hatte ich mich ja bereits früher ausführlich geäußert.

Brüteten schon 2016 – teils noch ohne Bart – die Zukunft des Regionaljournalismus in OWL aus.

Man sieht: Die Zukunft des regional geprägten Journalismus liegt für manche deutlich unter der Gürtellinie.

Wer da nicht klickt…

Wahrscheinlich werden die redaktionellen Angebote von tag24.de und der neuen OWL-»Gemeinschaftsredaktion« in Kürze angeglichen. Aber das ist natürlich nur eine Vermutung meinerseits, die sich an der Logik der bisherigen verlegerischen Weichenstellungen orientiert.


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Anmerkungen   [ + ]

1. Note to self: Die Tage mal die frischen IVW-Zahlen checken…
2. Die Bielefelder NW ist über ihre Beteiligungsgesellschaft DDVG zu 100 % in SPD-Besitz
3. Falls er was dazu zu sagen hätte…
4. Inzwischen funktioniert die Seite technisch wieder, aber eine Einlassung zu den aktuellen Entwicklungen sucht man dort vergebens.
5. Kurz nach diesem Blog-Beitrag gab es dann doch noch eine Reaktion der Verdi-Gewerkschaft.

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